Was ist der Entourage-Effekt?


Was ist der Entourage-Effekt?

Insgesamt umfasst Cannabis mindestens 400 bekannte Verbindungen und es gibt über 110 Cannabinoide, die in der Cannabispflanze identifiziert wurden. Studien und gewisse Anhaltspunkte weisen darauf hin, dass die Wechselwirkung zwischen diesen Stoffen und unserem Endocannabinoid-System zu synergetischen Effekten führen, die "Entourage-Effekte" genannt werden.

Aufgrund dieser Synergie zeigten die Effekte eine größere Wirksamkeit bei der Behandlung von Krankheiten als isolierte Cannabisverbindungen.

Beispielsweise funktionieren THC und CBD besser gemeinsam als einzeln verabreicht. Sie werden gemeinsam zu etwas Stärkerem als die Summe ihrer Teile. Doch das vereinfacht die Sache ganz schön, da die Wechselwirkungen häufig mehr mehr als nur zwei Verbindungen und mehr als nur Cannabinoide umfassen .

WIE ALSO FUNKTIONIERT DER ENTOURAGE-EFFEKT?

WIE ALSO FUNKTIONIERT DER ENTOURAGE-EFFEKT?

THC wurde zum ersten Mal 1964 von Raphael Mechoulam an der Hebräischen Universität in Jerusalem synthetisiert. Das führte zu der Entdeckung unseres innerem Endcannnabinoid-Systems, das drei Komponenten umfasst:

  • Cannabinoid-Rezeptoren
  • Endocannabinoide
  • metabolische Enzyme

Die Cannabinoide von Cannabispflanzen, Phytocannabinoide genannt, ahmen unsere im Inneren produzierten Cannabinoide nach, die Endocannabinoide genannt werden. Die pflanzlichen Phytocannabinoide wie THC, CBD und CBN binden an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 in unserem Körper.

Sobald diese Rezeptoren "freigeschaltet" sind, senden sie eine chemische Nachricht, die dem Körper sagt, dass er verschiedene Funktionen ausführen soll, wie beispielsweise die Aufrechterhaltung der Homöostase. Die metabolischen Enzyme bauen die Cannabinoide ab und regulieren so das Endocannabinoid-System. Wo tritt also nun der Entourage-Effekt in Erscheinung?

Es existiert ein sehr bekanntes Video von einer Journalistin, die sich im Krankenhaus pures THC verabreichen lässt und anschließend die Wirkung mit THC vergleicht, das mit anderen Cannabinoiden gemischt wurde.

Nach der Einnahme von purem THC fühlte sie sich sehr schlecht, doch bei der Einnahme von mit anderen Cannabinoiden kombiniertem THC fühlte sie sich bedeutend besser. Sie kicherte und hatte grundsätzlich eine bessere Laune. Das ist der Entourage-Effekt in wenigen Worten.

In einem Video erklärt Dr. Ethan Russo, wie THC und CBD zusammenarbeiten und sich ergänzen. Das THC bindet an die orthosterische Bindungsstelle des Cannabinoidrezeptors, während CBD an die allosterische Stelle bindet. Wenn CBD an der allosterischen Stelle wirkt, verändert es die Art und Weise, wie THC und Endocannabinoide mit den Cannabinoid-Rezeptoren zusammenwirken.

Basierend darauf, wie CBD die Auswirkungen von THC beeinflusst, wird allgemein von Wissenschaftlern wie Raphael Mechoulam angenommen, dass CBD die negativen Auswirkungen von übermäßigen Mengen THC, einschließlich schneller Herzfrequenz und ängstlicher Gefühle, reduzieren kann. Es gibt auch Hinweise darüber, dass THC den medizinischen Nutzen von CBD tatsächlich verbessert.

Dr. Ethan Russo legt auch nahe, dass Terpene die Funktionsweise des Endocannabinoid-Systems weiter verändern, was zum Potential des Entourage-Effekts beiträgt.

Terpene sind für die köstlichen Aromen und die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen von Cannabis verantwortlich, die alle für sich therapeutische Wirkungen besitzen. Cannabis enthält Terpene wie Myrcen, Pinen, Limonen, Caryophyllen, Linalool, Terpinolen, Humulen, Pulegon und viele andere.

DER ENTOURAGE-EFFEKT MUSS WEITER ERFORSCHT WERDEN

DER ENTOURAGE-EFFEKT MUSS WEITER ERFORSCHT WERDEN

Es sind weitere Studien erforderlich, um mehr über die genauen Synergien zwischen dem Endocannabinoid-System, den Phytocannabinoiden und den verschiedenen Terpenen zu erfahren. Dennoch deuten anekdotische und wissenschaftliche Belege darauf hin, dass aus diesen Synergien reichlich medizinische Nutzen resultieren.

Heutzutage produzieren Pharma-Unternehmen synthetische Cannabinoide und Cannabis-Medikamente für die Forschung und medizinische Zwecke. Marinol und Cesamet sind synthetische Cannabinoid-Medikamente, die die Struktur von THC nachahmen.

Epidiolex ist ein auf Cannabis basierendes CBD-Arzneimittel, das für Epilepsiesyndrome wie das Dravet-Syndrom und das Lennox-Gastaut-Syndrom verwendet wird. Sativex ist ein Cannabis-Arzneimittel, das sowohl THC als auch CBD enthält.

Da sich die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Cannabinoiden und Terpenen jedoch als einzigartige Wirkungen erwiesen haben, wurden die heutigen Cannabismedikamente für die Behandlung verschiedener Erkrankungen möglicherweise zu sehr vereinfacht. Jedoch muss diese Tatsache von zwei Seiten betrachtet werden.

Wissenschaftliche Forschung erfordert streng kontrollierte Dosierungen, die genau reproduziert werden können. Dazu kommt eine große Anzahl von Probanden, um die genaue Funktionsweise dieser kontrollierten Verbindungen zu bestimmen.

Da jede Cannabissorte und jede Cannabispflanze der gleichen Sorte ein einzigartiges chemisches Profil aufweist, ist es praktisch unmöglich, mit getrockneten Buds eine reproduzierbare Dosierung zu gewährleisten, die immer die genau gleiche Menge an Cannabinoiden und Terpenen enthält. Aus diesem Grund nutzt die heutige Cannabisforschung hauptsächlich isolierte Verbindungen.

Auch wenn die Forschung die Dinge voranbringt, kann sie jedoch die anekdotischen Beweise nicht widerspiegeln, wie Cannabis als Pflanze von uns Menschen erfahren wird. Außerdem wird der Entourage-Effekt dabei sehr vernachlässigt.

FAZIT

Wir wissen jetzt, dass Cannabispflanzen über 400 Chemikalien beinhalten, die nicht nur isoliert voneinander unterschiedliche Wirkungen hervorrufen, sondern auch in Kombination mit anderen Cannabisverbindungen. Doch die Forschung zum Entourage-Effekt steckt noch in den Kinderschuhen.

Hoffen wir, dass unsere Gesellschaft Wissenschaftler weiter unterstützen wird, um die Wechselwirkungen zwischen Cannabinoiden, Terpenen und dem Endocannabinoid-System gründlicher erforschen zu können. Das würde uns dabei helfen, den Fortschritt in der medizinischen Wissenschaft für eine bessere Zukunft weiter voranzutreiben.