Einige Pflanzen Neben Cannabis, Die Ebenfalls Cannabinoide Produzieren


Einige Pflanzen Neben Cannabis, Die Ebenfalls Cannabinoide Produzieren

In den letzten Jahren ist Cannabis in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, weil es sich möglicherweise um eine der nützlichsten (und am meisten falsch verstandenen) Heilpflanzen auf dem Planeten handelt. Die neuere Forschung zeigt, dass Marihuana eine Vielzahl von potenziellen medizinischen Eigenschaften besitzt - dank seiner einzigartigen Wirkstoffe, die als Cannabinoide bekannt sind.

Was aber, wenn diese Cannabinoide nicht nur in Cannabis vorkommen? Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass eine Handvoll weiterer Pflanzen ebenfalls Cannabinoide oder ähnliche Verbindungen enthalten und damit teilweise das Gleiche leisten können wie Marihuana.

CANNABINOIDE, DAS ECS UND CANNABIMIMETIKA

Bevor wir uns verschiedene Pflanzen ansehen, die Cannabinoide enthalten, ist es wichtig, ein einfaches Verständnis der folgenden drei Begriffe zu entwickeln: Cannabinoide, Endocannabinoid-System und Cannabimimetika.

Cannabinoide sind eine Klasse von chemischen Verbindungen, die mit Cannabinoid-Rezeptoren interagieren, die sich im menschlichen Körper ebenso finden wie bei anderen Säugetieren, wozu Hunde, Katzen, Schweine und viele weitere zählen. Es gibt zwei Arten von Cannabinoiden:

  • Endocannabinoide: Dies sind Cannabinoide, die von Natur aus im menschlichen Körper gebildet werden. Einige Beispiele für endogene Cannabinoide sind Anandamid und 2-AG (oder 2-arachadonoyl-Glycerin).
  • Phytocannabinoide: Hierbei handelt es sich um Cannabinoide, die natürlicherweise in der Cannabis-Pflanze zu finden sind. Die Cannabispflanze enthält mehr als 100 verschiedene Cannabinoide, darunter THC, CBD, CBG und viele mehr.

Wenn wir Cannabis konsumieren, interagieren die Phytocannabinoide aus der Pflanze mit unserem körpereigenen Endocannabinoid-System (ECS), das für die Steuerung einer Vielzahl von physiologischen Prozessen verantwortlich ist.

Bis vor kurzem wurde allgemein angenommen, dass das ECS lediglich aus zwei Hauptrezeptoren besteht, die man CB1 und CB2 genannt hat. Die Forschung der letzten Jahre hat jedoch gezeigt, dass das Endocannabinoid-System viel komplexer zu sein scheint, als wir ursprünglich gedacht haben.[1]

Diese Forschungsergebnisse legen nahe, dass das ECS tatsächlich viel mehr Rezeptoren als nur CB1 und CB2 sowie zusätzlich eine Vielzahl von Liganden umfassen könnte, die mit einem großen Spektrum anderer Rezeptoren interagieren.

Mit zunehmender Erforschung des ECS finden wir heraus, dass es eine Vielzahl von Verbindungen gibt, die sowohl direkt als auch indirekt mit diesem System interagieren, obwohl sie nicht die gleiche Struktur wie traditionelle Cannabinoide aufweisen.

Verbindungen, die das Endocannabinoid-System, vor allem CB1- und CB2-Rezeptoren, aktivieren, aber nicht unbedingt die gleiche Struktur wie traditionelle Cannabinoide aufweisen, werden Cannabimimetika genannt. Wie der Name schon sagt, imitieren diese Verbindungen die biologische Aktivität traditioneller Endo- bzw- Phytocannabinoide.

PFLANZEN, DIE CANNABIMIMETIKA ENTHALTEN

Dank neuer Forschung haben wir entdeckt, dass es viele Pflanzen mit cannabimimetischen Eigenschaften gibt. Hier folgt nun eine Liste mit einigen der bekanntesten Pflanzen, die Dein Endocannabinoid-System aktivieren können.

Behalte aber im Auge, dass diese Pflanzen Dir kein „High“ bescheren können, denn sie enthalten keine psychoaktiven Substanzen wie THC.

ECHINACEA

Echinacea

Die verschiedenen Echinacea-Varietäten gehören zu einer Gruppe blühender Kräuter aus der Familie der Korbblütler. Echinacea und derivative Produkte wie Extrakte, Öle, Wurzeln oder Tees werden meist aufgrund ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften geschätzt, können aber auch dabei helfen, Ängste und Stress zu reduzieren und weisen viele weitere Nutzen auf.

Aktuelle Forschungsergebnisse belegen, dass Echinacea N-alkyamide (oder NAA) enthält. Diese bilden Gruppen von bioaktiven Verbindungen, von denen man annimmt, dass sie ein breites und vielversprechendes Funktionsspektrum besitzen. Man konnte zeigen, dass diese NAA In niedrigeren Konzentrationen mit den menschlichen CB2-Rezeptoren interagieren und dabei ähnliche entzündungshemmende Effekte produzieren wie Anandamid und THC.

JAMBÚ

Jambú

Acmella oleracea oder Jambú ist eine merkwürdige Pflanze, von der man annimmt, dass sie von einer brasilianischen Art von Acmella-Pflanzen abstammt. Die Pflanze, manchmal auch als „Electric Daisy“ bekannt, wird oft beim Kochen verwendet und man glaubt, dass sie auf eine lange Geschichte in der Behandlung von Stottern, Zahnschmerzen und Magenproblemen zurückblickt.[2]

Ferner geht man davon aus, dass das „elektrische Gänseblümchen“ einen einzigartigen Cocktail Cannabinoid-artiger Verbindungen enthält, die als N-Isobutylamide bekannt sind. Ähnlich wie bei den NAA, die man in Echinacea vorfindet, scheinen auch diese Verbindungen CB2-Rezeptoren zu aktivieren, wobei schmerzlindernde und entzündungshemmende Effekte erzeugt werden. Darin ähneln sie stark Anandamid, THC und anderen Cannabinoiden.

HELICHRYSUM UMBRACULIGERUM

Helichrysum umbraculigerum

Diese seltsame Pflanze ist auf dem afrikanischen Kontinent beheimatet und gilt (wie Echinacea) als Teil der Familie der Korbblütler. Es wird angenommen, dass sie hohe Konzentrationen von CBG enthält, einem Cannabinoid, das für einzigartige antidepressive, stimmungsstabilisierende und entzündungshemmende Eigenschaften bekannt ist.

Auf der 24. Jahrestagung der Internationalen Cannabinoid-Forschungsgesellschaft, die im Juni 2014 in Baveno, Italien, stattfand, hielt Giovanni Appendino (ein italienischer Forscher, Chemiker und Professor an der Università del Piemonte Oriental) eine Rede, in der er auf Pflanzen zu sprechen kam, die neben Cannabis ebenso Cannabinoide produzieren.[3]

Dabei berichtete Appendino davon, dass eine große Menge CBG und seiner Carboxylvorstufe aus einer spezifischen Helichrysum-Sorte isoliert worden sei, die es nur in Südafrika gibt. Allerdings ist diese Pflanze nur wenig erforscht und man weiß daher nicht, wie sie CBG produziert. Dies liegt an den strengen südafrikanischen Vorschriften, die erlassen wurden, um ausländische Unternehmen an der Ausbeutung der einzigartigen genetischen Ressourcen des Landes zu hindern, was aber gleichzeitig auch die wissenschaftliche Forschung unterbindet.

LEBERMOOS

Lebermoos

Es gibt schätzungsweise 9000 verschiedene Arten Lebermoos, die auf der ganzen Welt verstreut sind. Forschungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass es in Neuseeland eine ganz bestimmte Art mit einer Verbindung gibt, die dem THC bemerkenswert ähnelt.

Diese Verbindung, die als Perrottetinsäure bekannt ist, wurde erstmals 2002 in Radula marginata entdeckt, der bereits genannten Lebermoos-Art aus Neuseeland. Es gibt sehr wenig Informationen über die Perrottetinsäure, aber man darf vermuten, dass sie mit CB1-Rezeptoren wechselwirkt.[4]

Manche Nutzer haben mit dem Rauchen von Lebermoos **experimentiert, was gemischte Ergebnisse hervorgebracht hat, darunter ein leises zerebrales High sowie (unter anderem) eine starke Reizung der Schleimhaut der Lunge und des Halses.

Auch Radula marginata blickt auf eine lange Geschichte in der Maori-Kräutermedizin zurück, wo es verwendet wird, um traditionelles Rongoā und Taonga herzustellen.

SCHOKOLADE (KAKAO)

Schokolade (kakao)

Der Kakaobaum hat uns einen der süßesten Schätze der Erde geschenkt. Nun, es scheint ganz so, als könne die Pflanze hinter der beliebtesten süßen Leckerei der Welt auch eine andere verborgene Kraft enthalten.

Einige Cannabisfreunde behaupten, dass dunkle Schokolade, vor der Einnahme von Cannabis verzehrt, ein viel stärkeres "High" produziert. Das liegt daran, dass Schokolade N-Linoleoylethanolamid und N-Oleoylethanolamid enthält, zwei Verbindungen, welche die Wirkung des Enzyms FAAH einschränken.

Dieses FAAH ist verantwortlich für den Abbau von Anandamid, einem Endocannabinoid, das oft als unser "körpereigenes THC" bezeichnet wird. Anandamid soll Gefühle von Euphorie hervorbringen, sowie unsere Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen reduzieren können und ist vermutlich für das "Runner’s High" verantwortlich, das viele Läufer beim oder nach dem Laufen empfinden.

Sowohl N-Linoleoylethanolamid als auch N-Oleoylethanolamid sind bekannt dafür, die FAAH-Enzyme zu deaktivieren, was wiederum den Anandamidspiegel in unserem Körper erhöht. Kombiniere sie mit einer starken THC-Dosis, und Du wirst Dich doppelt euphorisch, erhoben und glücklich fühlen, während gleichzeitig das Schmerzempfinden reduziert wird.

SCHWARZER PFEFFER

Schwarzer pfeffer

Einige Cannabissorten sind bekannt für ein besonders scharfes, pfeffriges Aroma. Nun, auch hier offenbart die Erforschung der entsprechenden Verbindungen beider Pflanzen, warum das so sein könnte.

Cannabis und Pfeffer sind dafür bekannt, hohe Konzentrationen von Beta-Caryophyllen zu enthalten, einem Terpen mit einem starken Aroma, das wohl dem schwarzen Pfeffer seinen einzigartigen Geruch gibt. Neuere Forschungen deuten zudem darauf hin, dass Beta-Caryophyllen ähnlich wie ein Cannabinoid wirkt und an CB2-Rezeptoren bindet.

Es konnte nachgewiesen werden, dass es starke entzündungshemmende Effekte besitzt, die bei der Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen helfen können. Andere Untersuchungen haben gezeigt, dass BCP ebenso die Wirksamkeit von Krebsmedikamenten erhöhen kann.[5]

DIE ZUKUNFT DER CANNABINOIDE - SOLLTEN WIR UNS AUCH JENSEITS VON CANNABIS UMSCHAUEN?

Unsere Liste enthält nur eine Handvoll Pflanzen, von denen bekannt ist, dass sie Cannabinoide oder Cannabimimetika enthalten. Es fehlen zum Beispiel peruanisches Maca und chinesischer Rhododendron – und es werden in dem Maße, in dem die Forschung voranschreitet, sicherlich noch weitere hinzukommen.

Aber was bedeutet das alles? Nun, das ist derzeit schwer zu sagen. Obwohl es manchmal so aussieht, als würden täglich neue Entdeckungen über Cannabis gemacht werden, gibt es noch eine ganze Menge, was wir über Cannabis, die Cannabinoide, sowie das Endocannabinoid-System (und wie sie alle interagieren) eben gerade noch nicht wissen.

Allerdings ist die Tatsache, dass andere Pflanzen Cannabinoide oder Cannabimimetika enthalten vielversprechend, da sie den Forschern mehr Möglichkeiten an die Hand gibt, in Zukunft mit Cannabinoidenzu experimentieren.

Verweise

  1. ^ NCBI, Phytocannabinoids beyond the Cannabis plant – do they exist?, abgerufen July-01-2017
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  2. ^ Washington Post, Like a Taste That Tingles? Then This Buds for You, abgerufen October-26-2018
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  3. ^ Beyond THC, Appendino’s Advice to Cannabinoid Researchers: Consider ‘New Targets, Chemistry, and Plant Sources’, abgerufen July-01-2017
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  4. ^ Chem. Pharm. Bull, New Bibenzyl Cannabinoid from the New Zealand Liverwort Radula marginata, abgerufen July-01-2017
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  5. ^ NCBI, Potentiating effect of beta-caryophyllene on anticancer activity of alpha-humulene, isocaryophyllene and paclitaxel., abgerufen July-01-2017
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