Macht Marihuana abhängig?


Macht Marihuana abhängig?

IST CANNABISABHÄNGIGKEIT FAKT ODER FIKTION?

Wenn es um Cannabis geht, taucht oft eine bestimmte Frage auf: Macht es abhängig? Obwohl viele Konsumenten "auf keinen Fall" sagen, gibt es manche, die Dir sagen werden, dass es zutrifft. Wie sich herausstellt, gibt es ein paar Gründe, warum jemand von Marihuana abhängig werden könnte. Die Chancen dafür sind gering, doch die Möglichkeit ist sehr real.

Laut einer Studie, auf die vom National Institute on Drug Abuse verwiesen wurde, werden ungefähr 9% der Cannabisnutzer abhängig. Andere Studien schlagen noch höhere Missbrauchsraten vor, besonders unter Individuen, die schon früh in ihrer Jugend damit begonnen haben, Cannabis zu nutzen, oder jene, die anfällig für Suchtverhalten sind.

Andererseits gibt es auch Millionen von Menschen, die Cannabis nutzen und davon sogar noch profitieren, ohne abhängig zu werden. Von Angstkontrolle bis zu Schmerzlinderung ist Marihuana sehr heilsam. Also, wer wird wahrscheinlich abhängig von Cannabis und warum?

KRITERIEN FÜR CANNABISABHÄNGIGKEIT

Laut Dr. S. Alex Stalcup vom New Leaf Treatment Center sind die Gene einer der stärksten Prädiktoren für Abhängigkeit. Genau genommen gibt es Studien zu eineiigen Zwillingen, die von unterschiedlichen Familien aufgezogenen wurden, die diese Spekulation bestätigen. Anders formuliert: Wenn ein Zwilling abhängig wird, ist der andere ebenfalls stärker gefährdet.

Es stellt sich jedoch heraus, dass familiäre Bindungen auch helfen können, Abhängigkeit zu verhindern. Carl Hart, Privatdozent für Psychologie an der Columbia University, erwähnt einige Kriterien, nach denen er Ausschau hält, wenn es um Abhängigkeit geht:

"Wenn wir uns die Kriterien für Abhängigkeit ansehen, haben sie viel damit zu tun, wie Menschen ihr Verhalten mäßigen. Sie haben viel mit Verantwortungskompetenzen zu tun. Es ist nicht perfekt, aber wenn Sie sich Menschen ansehen, die abhängig sind, und Menschen, die Arbeit und Familien haben, die Verantwortlichkeiten erfüllen müssen, die Teil ihrer Gesellschaften sind, die ein soziales Netzwerk haben, sind die Abhängigkeitsraten innerhalb dieser Art von Gruppen gegenüber Menschen, die keine Arbeit, Familie, sozialen Netzwerke haben, dramatisch verringert."

DIE VERFÜHRERISCHE REALITÄT

Weiterhin haben jene, die nicht abhängig sind, oft auch mehr Optionen. In einem Interview mit Healthline sagte Gantt Galloway, Doktor der Pharmazie, Manager und Forschungsdirektor des New Leaf Treatment Center und leitender Wissenschaftler am California Pacific Medical Center Research Institute:

"Die meisten von uns haben viele Wahlmöglichkeiten im Leben, die uns gut fühlen lassen."

"Jene, die weniger Wahlmöglichkeiten haben, die vielleicht nicht so eine reichhaltige Reihe von sozialen Interaktionen haben, weil ihr Familienleben schwierig ist, oder weil sie emotionale Probleme haben, die sie davon abhalten, enge Freundschaften zu schließen ... diese Menschen könnten Drogen wie Marihuana reizvoller finden und einem stärkeren Risiko unterliegen, eine Abhängigkeit zu entwickeln."

"Für viele Personen ist Marihuana angenehm, stärkend und verlässlich", ergänzte Galloway. "Wenn man über jemanden spricht, der eine chaotische Wohnsituation hat, jemanden, der in der Schule nicht gut abschneidet, der kein Lob für eine gute Schulleistung bekommt, sind diese Menschen eher gefährdet, Marihuana zu konsumieren und damit Probleme zu haben."

Tatsächlich wird die Theorie, dass eine größere Wahlmöglichkeit helfen kann, Abhängigkeit zu verhindern, sogar von Tierstudien gestützt. Was sie gezeigt haben, ist insbesondere, dass Ratten, die sich in einer Kiste mit einem Hebel befinden, der Drogen wie Opiate oder Kokain freigibt, fortlaufend auf den Hebel drücken. Wenn man sie allerdings in einen "Rattenpark" voller Spielzeug und ein paar Rattenkameraden setzt, bevorzugen sie drogenfreies gegenüber dem gestreckten Wasser.

PSYCHISCHE ERKRANKUNG

Ein weiterer beachtenswerter Faktor ist Geisteskrankheit, die eine große Rolle beim Abhängigkeitsrisiko spielt. Eine psychische Erkrankung hat sowohl genetische als auch umweltbedingte Ursachen. Dr. Stalcup bestätigt die Idee ebenfalls:

"Drogen funktionieren bei psychisch kranken Menschen zunächst sehr gut. Wenn Sie ängstlich sind, wird die Angst mit ein paar Zügen, einem Bier verschwinden. Es ist wie Zauberei. Aber dann setzt die Toleranz ein. Also müssen sie nicht nur mehr trinken, um die Angst zu lindern, sondern jedes Mal, wenn sie versuchen, aufzuhören, kommt die zugrundeliegende Angst schlimmer zurück. Wir konzeptualisieren dies als eine biologische Falle. Zuerst wirkt sie, sie törnt Sie an, hört auf zu funktionieren und dann haben Sie immer noch ein Problem."

"Stress reagiert [auch] sehr gut auf Drogenkonsum. Dieselbe Falle entsteht. Jemand arbeitet hart, kommt nach Hause, hat ein paar Drinks. Und es funktioniert. Er/sie kann sich entspannen, runterkommen, muss sich keine Gedanken über den Tag machen. Nach ein paar Jahren – und die Zündschnur kann sehr lang sein – haben sie nach der Arbeit drei oder vier Drinks. Irgendwann trinken sie eine Flasche Wein und ein paar Drinks und der Stress ist trotzdem nicht so bewältigt wie zuvor. Nun sind sie von Alkohol abhängig, um nicht noch gestresster zu werden."

Dr. Stalcup sagt außerdem, dass rund 50–60% der in seiner Klinik behandelten Cannabisnutzer eine Form von psychischer Erkrankung haben. Er trifft größtenteils Individuen mit Angst, Depression, Schizophrenie und PTBS.

Bei jenen mit PTBS hilft Cannabis, die von vielen Betroffenen erlebten Albträume zu verhindern. Laut Dr. Stalcup ist "Trauma allgemein, besonders aber sexuelles Trauma, ein extrem unterschätzter und potenzieller Risikofaktor für Abhängigkeit."

ANZEICHEN EINER CANNABISABHÄNGIGKEIT

Laut dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, besser bekannt als DSM-5, gibt es zehn Schlüsselanzeichen, nach denen man Ausschau halten soll, wenn man vermutet, dass man selbst oder jemand, den man kennt, Probleme mit Substanzmissbrauch hat. Jemand muss innerhalb von einem Jahr allerdings bloß zwei dieser Zeichen aufweisen, um diagnostiziert zu werden.

Du kannst vielleicht ein paar dieser Indikatoren erraten. Wenn Du feststellst, dass Du mehr konsumierst, als Du willst, und länger, als Du gern hättest, könnte ein Problem vorliegen. Starkes Verlangen ist neben dem Wunsch, für den Konsum Dinge aufzugeben, an denen man sich einst erfreute, ein weiteres Schlüsselsymptom. Übertrieben viel Zeit damit zu verbringen, die Ware zu beschaffen, sie zu gebrauchen und sich von dem Konsum zu erholen, ist neben dem Nichterledigen von wichtigen Dingen wegen verschwendeter Zeit ebenfalls besorgniserregendes Verhalten.

Hast Du es in gefährlichen Situationen verwendet? Versuchst Du ohne Erfolg, Deinen Konsum einzuschränken? Behältst Du Deinen Konsum trotz der aus ihm hervorgehenden sozialen, körperlichen und psychischen Problemen bei? Du könntest in Schwierigkeiten sein. Zuletzt sollten die Herausbildung einer Toleranz und das Auftreten von Entzugserscheinungen beim Aufhören unbedingt beachtet werden, wenn ein Problem mit Substanzmissbrauch diagnostiziert wird.

ENTZUGSERSCHEINUNGEN

Aber wie sehen Entzugserscheinungen eigentlich aus? Nun, wie bei vielen anderen Abhängigkeiten wird ein heftiges Verlangen eintreten. Es werden ferner Stimmungsschwankungen auftreten, wobei Zorn, Depression und Reizbarkeit die Hauptrollen spielen. Ehemalige Raucher berichten auch oft von Schlafstörung, die mit Kopfschmerz einhergeht. Darüber hinaus, wenn auch nicht so häufig, wurde berichtet, dass neben Verdauungsproblemen zudem Symptome wie Gewichts- und Appetitschwankungen auftreten.

KANN MAN VON CANNABIS WIRKLICH ABHÄNGIG WERDEN?

Wenn man alles berücksichtigt, ist es möglich, von Cannabis abhängig zu werden. Die Ausbildung einer Abhängigkeit kann jedoch anders als bei Opiatabhängigkeit Monate oder sogar Jahre dauern. Es ist genauso wichtig, dass Du stets Deine Beziehung zu Cannabis und die Tatsache anerkennen solltest, dass sich die Erfahrung von jemand anderem von Deiner unterscheiden könnte.

Obwohl es Individuen gibt, die wahrscheinlicher von Marihuana abhängig werden, wie jene mit psychischen Erkrankungen, gibt es auch Menschen, die Cannabis konsumieren und keine Probleme damit haben, aufzuhören oder kürzer zu treten. Du findest am leichtesten heraus, ob Du von Marihuana abhängig bist oder nicht, wenn Du versuchst eine Weile abstinent zu bleiben.

Sollte diese Zeit für Dich eine echte Herausforderung sein, könntest Du eine Abhängigkeit haben. Du könntest allerdings ebenso feststellen, dass es leichter ist, kürzer zu treten, als Du dachtest.

Es sollte überdies angemerkt werden, dass eine Cannabisabhängigkeit nicht tödlich ist. Genau genommen gab es infolge von Cannabiskonsum keine gemeldeten Todesfälle, seit diese Aufzeichnungen gemacht werden.

WAS KANNST DU TUN, UM EINE CANNABISABHÄNGIGKEIT ZU VERMEIDEN?

Wie bei jeder Droge gibt es nicht den einen richtigen Weg, um eine Cannabisabhängigkeit zu vermeiden. Unser aller Gehirne arbeiten verschieden, also werden sich auch die von uns gewählten Herangehensweisen zur Vermeidung einer Abhängigkeit unterscheiden. Es gibt allerdings einige allgemeine Regeln, die Menschen befolgen können, um aus dem Schneider zu sein.

Vor allem, wenn Du weißt, dass Du eine zur Abhängigkeit neigende Persönlichkeit hast, wäre unser Hauptrat vollkommene Vermeidung. Für alle anderen ist Mäßigung einer der sichersten Wege, mit der Du einer Abhängigkeit vorbeugen kannst. Wenn Du verbindliche Regeln für Dich aufstellst (nur so viel Weed, so viele Male pro Woche), befindest Du Dich in einer guten Ausgangslage, um gesund zu bleiben. Falls Du Dich dabei ertappen solltest, dass Du eine Toleranz entwickelst, wird eine Pause Dich wieder in den Normalzustand zurückversetzen. Es ist auch eine gute Idee, zu vermeiden, Cannabis für die Stress- oder Depressionsbewältigung zu nutzen.

Bist Du bereits abhängig, mag es einiger Anstrengung bedürfen, aber eine Bewältigung ist möglich. Sorge dafür, Dich mit einem unterstützenden Netzwerk aus Menschen zu umgeben und Selbstdisziplin zur Priorität zu erheben. Wenn Du Entzugserscheinungen mit Durchhaltewillen begegnest, solltest Du sie innerhalb von ein paar Wochen überwinden können.

Es ist nicht leicht für jeden, aber die jüngsten wissenschaftlichen Fortschritte könnten viele dieser Schwierigkeiten erleichtern. Insbesondere eine neue Studie hat gezeigt, dass CBD Menschen ziemlich effektiv beim Umgang mit Entzugserscheinungen helfen kann. Genau genommen glaubt auch dasselbe Team, das diese Studie durchgeführt hat, dass CBD bei Alkoholabhängigkeit helfen könnte!

Vergiss nicht: Wenn Du ein Erwachsender bist, der vorsichtig an den Konsum herangeht, kann Grasrauchen ein lustiger, ungefährlicher Zeitvertreib sein. Achte nur darauf, dass Du Dich unter Kontrolle hältst, und erkenne, wenn dies nicht der Fall ist.