Hintergründe Zu Rastafari Und Den Gebrauch Von Marijuana


Hintergründe Zu Rastafari Und Den Gebrauch Von Marijuana

Rastafari, manchmal auch als Rastafarianismus bezeichnet, ist eine religiöse Bewegung, die im Jamaika der 1930er Jahre entstand. Dreadlocks und der Konsum von Cannabis sind wahrscheinlich die beiden kultigsten Aspekte dieser Religion, und noch heute scheinen die Cannabiskultur und die Rastafari-Religion ganz eng miteinander verbunden zu sein.

Diese wurde vor allem in Communities der armen afro-jamaikanischen Arbeiterklasse geboren und wird manchmal als eine größere Bewegung gesehen, die gegen den britischen Kolonialismus rebelliert (Jamaika erlangte 1962 Unabhängigkeit von Großbritannien).

Sie war auch tief beeinflusst von anderen politischen Bewegungen wie der Back-To-Africa-Bewegung und übernahm die machtvolle Idee, dass Menschen mit afrikanischem Erbe in ihre Heimat zurückkehren sollten, um dort ihre Nationen zu stärken und ihnen zu helfen, die Unterdrückung, mit der sie aus der westlichen Welt heraus konfrontiert waren, zu stürzen.

Im Zentrum des Rastafarianismus steht der äthiopische Kaiser Haile Selassie I. Selassie wird oft als Messias, Prophet oder inkarnierte Gottheit angesprochen, und seine Krönung wird meist als Erfüllung biblischer Prophezeiungen gesehen.

Hintergründe zu rastafari und den gebrauch von marijuana

Für die Rasta-Religion ist kennzeichnend, dass eine zentrale Autorität fehlt, welche die Glaubenssätze und die Praktiken der Religion eindeutig diktiert. Es gibt mehrere Konfessionen innerhalb der Rastafaris, wobei die häufigsten Nyahbinghi, Bobo Ashanti und die Zwölf Stämme von Israel sind.

Während die Rasta-Bewegung heutzutage in Jamaika allgemein akzeptiert wird, kam sie in den 1950er Jahren in Konflikt mit der regulären jamaikanischen Gesellschaft und expandierte auch auf die nahe gelegenen karibischen Inseln, in die USA und in andere Teile der Welt.

Die 1950er Jahre sahen zudem die Entwicklung einer radikaleren Ausprägung von Rastafari, was zu einem Versuch von militanten Rastas, jamaikanische Städte wie Kingston und Spanish Town für sich zu beanspruchen, führte und zu anderen gewaltsamen Konflikten.

Allerdings ebbten diese Spannungen ab und in den 1960er Jahren begann die Rasta-Bewegung eine breitere Unterstützung auch von privilegierten Mitgliedern der jamaikanischen Gesellschaft zu gewinnen. In diese Zeitspanne fällt auch eine Verschiebung traditioneller Rasta-Überzeugungen, vor allem der Idee, dass die Mitglieder für ihre Erlösung verpflichtet seien, einen physischen Rückzug nach Afrika durchzuführen. Die Bewegung begann außerdem, sich von anderen politischen Bewegungen inspirieren zu lassen, die damals aktiv waren, was vor allem für die Black-Power-Bewegung in den USA galt.

In den 1970er Jahren wurde Rastafari mit Hilfe der Reggae-Musik wirklich auf die Weltbühne gebracht. Musiker wie Bob Marley, Bunny Wailer, Peter Tosh und viele andere fanden weltweiten Erfolg mit ihrem kultigen Sound.

Gegen Ende der 1970er und Anfang der 80er Jahre verlor die Rasta-Bewegung jedoch deutlich an Schwung, möglicherweise aufgrund einer Reihe von Gründen, wozu sicher der Tod von Haile Selassie im Jahr 1975 sowie dann der von Bob Marley im Jahr 1981 gehörten. Der gleichzeitige Popularitätsverlust der Reggae-Musik, die viele religiöse Botschaften der Rastas gepredigt hatte, wird auch dazu beigetragen haben.

Man schätzt, dass es heutzutage weltweit rund 1 Million Rastas gibt. Die größte Konzentration der Rastafari-Gemeinschaften findet sich weiterhin in Jamaika.

WORAN GLAUBEN RASTAS? WELCHE RITUALE WERDEN GEPFLEGT?

Woran glauben rastas? welche rituale werden gepflegt?

Wie wir bereits erwähnt haben, fehlt Rastafari eine Art zentralisierte Autorität, welche die Überzeugungen und Praktiken der Religion regelt. Darüber hinaus kann die Religion tatsächlich in etwa 6 verschiedene Konfessionen (gemeinhin als "Mansions" bezeichnet), jede mit ihren eigenen Regeln und Ritualen, unterteilt werden.

Rasta-Mitglieder neigen dazu, den Lehren ihrer Religion oder der „Mansions“ nur teilweise - und manchmal auch gar nicht – zu folgen. Das liegt in einem allgemeinen Glauben an die Freiheit des Bewusstseins und in Misstrauen und Abneigung gegenüber institutionalisierten Ritualen begründet.

Dieser Umstand erleichtert es nicht unbedingt, eine Art globales Bild dieser Religion zu zeichnen. Allerdings gibt es schon einige allgemeine Überzeugungen, die mit Rastafari verbunden sind:

  • Anbetung Jahs, eines monotheistischen Gottes, in Form einer heiligen Dreieinigkeit ähnlich dem Katholizismus (Vater, Sohn und Heiliger Geist). Rastas glauben, dass Jah in allen Menschen lebt, indem er im Wesentlichen aus allen Menschen ein und dasselbe macht.
  • Verehrung des äthiopischen Kaisers Haile Selassie I. Wie Selassie verehrt wird, unterscheidet sich, und zwar insbesondere zwischen den verschiedenen „Mansions“. Allerdings wird er allgemein als der Messias angesehen, der im Alten Testament als das zweite Kommen Jesu auf die Erde vorausgesagt wurde. Andere Rastas verehren Selassie sogar als inkarnierten Gott, während andere ihn nur als den Repräsentanten von Jah auf der Erde sehen. Er wird oft als der allmächtige Gott, König der Könige und Herr der Herren, der siegreiche Löwe des Stammes von Juda sowie mit vielen anderen Namen bezeichnet.
  • Afrozentrismus. Rastafari fördert in der Regel die Ermächtigung der Schwarzen und eine Wiederentdeckung der schwarzen Identität und Kultur, die sämtlich von der westlichen Gesellschaft unterdrückt wurden. Traditionelle Rastafari-Überzeugungen konzentrieren sich auf eine körperliche Rückkehr nach Afrika, um das Heil zu erreichen, während modernere Interpretationen mehr auf eine Wiederverwendung von afrikanischem Erbe und Identität fokussieren, um Unterdrückung und Minderwertigkeit abzubauen. Rastas vergleichen sich oft mit den alten Israeliten und dem auserwählten Volk Gottes, und Rastas, die außerhalb Afrikas leben, sprechen davon, in "Babylon" zu leben und werden ermutigt, nach "Zion" bzw. Afrika zurückzukehren.
  • Eine alternative Auslegung der Bibel. Rastas sind dazu übergegangen, heilige Schriften neu zu interpretieren und viele Begriffe und Geschichten aus der Bibel in ihrer Religion zu benutzen. Wie oben erwähnt, wird der Begriff Babylon zum Beispiel sowohl im alten als auch im neuen Testament verwendet und wurde von den Rastas übernommen.
  • Reinkarnation. Rastas glauben nicht an ein Jenseits; stattdessen gehen sie davon aus, dass die geistig Erleuchteten wiedergeboren werden, während andere einfach sterben. Von denjenigen, die reinkarniert sind, glaubt man, dass sie ihre individuelle Identität durch jede Reinkarnation beibehalten.
  • Moral und "Naturgesetze". Ebenso haben Rastafari viele der moralischen Grundsätze übernommen, die von anderen Religionen wie dem Christentum geteilt werden. Sie teilen auch eine starke Bindung an die Natur und glauben, dass die westliche Gesellschaft durch den technologischen Fortschritt ziemlich vergiftet wurde und sich von der Natur abgelöst hat.

So wie Rastas dazu neigen, ihre eigenen Überzeugungen zu entwickeln, anstatt einer strengen Lehre zu folgen, kennen sie auch sehr individuelle Möglichkeiten, ihre Religion zu praktizieren. Im Folgenden stellen wir einige gemeinsame Rastafari-Rituale vor, wobei man wieder bedenken sollte, dass nicht alle Rastas sich streng an sie halten.

„GROUNDING CEREMONIES“

Das „Grounding“ (etwa: „Erdung“, „Fundament“) ist eine Art Rasta-Zeremonie, die eine Versammlung von Rastafarians unter einem Ältesten beinhaltet. Diese Zeremonien umfassen oft Musik, Chanten, Trommeln und den Konsum von Cannabis.

Einer der Hauptzwecke der Groundings ist die Diskussion zwischen den Mitgliedern der Religion über deren Interpretation und wie sie sich auf aktuelle Ereignisse bezieht. Die Groundings sind in der Regel den Männern vorbehalten.

GESCHLECHTERROLLEN

Unter den Rastas gelten relativ strenge Geschlechterrollen. Frauen sind von Groundings und anderen religiösen Versammlungen ausgeschlossen und sollen sich von Männern deutlich unterschieden kleiden. Sie werden auch wegen ihres Menstruationszyklus als unrein angesehen und lenken Männer mit ihren sexuellen Reizen ab. Frauen wird gelehrt, die männliche Führung zu suchen und sich in einer Weise zu kleiden, die ihre Kopf- und Körperkonturen bedeckt, um die Männer nicht sexuell zu reizen.

NATÜRLICHES LEBEN

Wie wir bereits erwähnt haben, legt die Rastafari-Religion einen starken Fokus auf die Verbindung ihrer Mitglieder mit der Natur. Einen wichtigen Weg, dies zu tun, sieht man in einer speziellen Ernährung, die meist als "ital" bezeichnet wird. Diese besteht aus natürlichen Lebensmitteln, wobei einige „Mansions“ sogar ihre eigene Nahrung produzieren und selbstgenügsam leben.

Einige Rastas haben sich entschieden, vollständig vegetarisch zu leben, während andere dazu neigen, den Ernährungsrichtlinien des Alten Testaments zu folgen (und vor allem Schweinefleisch oder Krustentiere meiden). Weitere Rastas wiederum vermeiden es, ihrer Nahrung Zusatzstoffe wie Salz oder Zucker hinzuzufügen.

SPIRITUELLER CANNABISKONSUM

Obwohl die spirituelle Verwendung von Cannabis durch seine Mitglieder gewiss nicht einzigartig ist, lag hierin definitiv einer der Aspekte des Rastafarianismus, der die westliche Gesellschaft schockierte, als diese Religion in den 60er und 70er Jahren die globale Bühne betrat. Rastas konsumieren Cannabis, gemeinhin als „Ganja“ bezeichnet, indem sie es rauchen oder einnehmen, oft in Tees und in der täglichen Nahrung. Einige Rastas glauben, dass der Cannabisgebrauch auf Grounding-Zeremonien beschränkt sein sollte, während andere es regelmäßig nutzen. Sie betrachten es als eine mächtige Substanz, welche die Kraft besitzt, die Nutzer näher an Jah heranzubringen.

Bei einem Grounding wird ein Rasta-Mitglied in der Regel einen Spliff bevorzugen, während er ein Gebet an Jah spricht. Sobald das Gebet beendet ist, wird der Spliff angezündet und geraucht. Alternativ nehmen die Rastas Cannabis auch durch große Wasserpfeifen ein, die als „Chalice“ bekannt sind.

Der genaue Ursprung dafür, dass Cannabis ein so wichtiger Bestandteil der Rasta-Religion werden konnte, ist unklar. Manche glauben, dass sich dies von Kumina herleitet, einer Religion, die von kongolesischen Dienern praktiziert wurde, die in den 1800er Jahren nach Jamaika gebracht wurden und die ebenfalls Cannabis in ihren spirituellen Praktiken einsetzten.

Andere dagegen glauben, dass Cannabis aus jenen hinduistischen Religionen übernommen wurde, die indische Diener mitbrachten, als sie zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert nach Jamaika versendet wurden. Auch dort wurde Cannabis für spirituelle Zwecke verwendet.

ÄUSSERE ERSCHEINUNG

Rastas besitzen ein einzigartiges Gefühl für Kleidung und Aussehen. Die Dreadlocks sind sehr kultig und unter einigen Rastas weit verbreitet, während einige Konfessionen diese Frisur sogar verbieten. Bestimmte Richtungen, wie die Zwölf Stämme von Israel oder Bobo Ashanti, kleiden sich besonders, um sich von Gläubigen anderer Konfessionen zu unterscheiden, was Roben und Turbane einschließen kann.

MUSIK

Musik ist zentral für die Rasta-Religion und spielt eine große Rolle im Leben eines Rastas. Chanting, Trommeln und Singen sind oft fester Bestandteil der Groundings, während Reggae-Musik als eine wichtige Plattform dient, um die Schlüsselbotschaften der Religion zu vermitteln.

Die Musik dient dazu, Jah zu loben, und man glaubt, sie habe einzigartige heilende Eigenschaften. Einige Rasta-Lieder werden in den Melodien alter christlicher Hymnen gesungen, wohingegen andere originär sind. Rasta-Musik legt eine starke Betonung auf den Rhythmus und die Bassline, die beide sehr symbolisch gedeutet werden und die Kernüberzeugungen der Religion wiedergeben.

Der Rasta-Älteste Prof-I erklärt, warum Rastafari keine Religion oder Organization ist: