Was sind Cannabinoide und woher kommen sie?


Was sind Cannabinoide und woher kommen sie?

Cannabis wäre nichts ohne die Cannabinoide – diese winzigen organischen Verbindungen, die die Pflanze zu dem machen, was sie ist. Und es gibt viele davon, nicht nur die beiden, von denen Du vermutlich schon gehört hast – THC und CBD. Was sind Cannabinoide also und wo kommen sie her?

WAS SIND CANNABINOIDE?

Cannabinoide sind nichts weiter als chemische Verbindungen. Der menschliche Körper erzeugt Cannabinoide – bekannt als Endocannabinoide – als eine Art Stoffwechselstabilisator. Auch Pflanzen erzeugen diese Verbindungen, nur dass sie sie als natürlichen Abwehrmechanismus gegen Umweltbedrohungen wie Insekten und widriges Wetter einsetzen.

Wenn sie in Pflanzen erzeugt werden, nennt man sie Phytocannabinoide. Die Phytocannabinoide werden zusammen mit den Terpenen, Flavonoiden und anderen wünschenswerten Verbindungen in den Trichomen produziert – externe Drüsen, die auf den Pflanzen als winzige, haarartige Auswüchse erscheinen.

WANN WURDEN CANNABINOIDE ENTDECKT?

Die Entdeckung der Cannabinoide geschah erst im letzten Jahrhundert.

In den 1930er Jahren begannen sowohl deutsche als auch amerikanische Wissenschaftler mit vorläufigen Studien der Pflanze. In Deutschland verbot Hitler mit der Machtergreifung die Forschung. In den USA begannen jedoch einige Wissenschaftler, die Pflanze zu studieren. Darunter war auch ein Chemiker namens Siegfried Loewe, der bei der US-Prohibitionsbehörde beschäftigt war. Bis in die 1940er Jahre war die Erforschung von Cannabinoiden jedoch darauf ausgerichtet, eine "Wissenschaft" zu erschaffen, die die Verwendung der Pflanze delegitimiert und stigmatisiert.

Die ernsthafte Cannabinoid-Forschung kam in den 1940ern jedoch erst nach dem zweiten Weltkrieg in die Gänge. Als führende Figur dieser Forschung wird Prof. Raphael Mechoulam betrachtet. Mit der in Israel durchgeführten und größtenteils von der US-Regierung finanzierten Forschung, war er für das nächste halbe Jahrhundert weiterhin ein Pionier auf dem Gebiet. Mechoulam war auch derjenige, der das Endocannabinoid-System (ECS) entdeckte. Heute gilt das ECS als das vierte große Kreislaufsystem des menschlichen Körpers.

WIE VIELE CANNABINOIDE GIBT ES?

In der Cannabispflanze wurden über 100 Cannabinoide identifiziert. An allen davon wird noch weiter geforscht, doch sechs dieser Cannabinoide wurden bisher bereits umfassend untersucht. Sie lauten:

• THC: Auch als Tetrahydrocannabinol bezeichnet, handelt es sich hierbei um das bekannteste Cannabinoid. Es ist psychoaktiv und für das "High" verantwortlich, an dem sich Freizeitgenießer erfreuen.

• CBD: Auch als Cannabidiol bekannt, wird es als tägliches Ergänzungsmittel und für bestimmte Zwecke im Zusammenhang mit der persönlichen Gesundheit und dem Wohlbefinden verwendet. Es erzeugt keine psychoaktive Wirkung.

• THCV: Auch als Tetrahydrocannabivarin bekannt, erregt diese Verbindung erst seit kurzem Aufmerksamkeit. Dieses psychoaktive Cannabinoid kommt hauptsächlich in Sorten aus Asien vor.

• CBDV: Auch als Cannabidivarin bekannt, ist es eine nicht psychoaktive Verbindung, die in wilden Indica-Sorten häufiger vorkommt.

• CBG: Auch als Cannabigerol bekannt, handelt es sich dabei um eine nicht psychoaktive Verbindung. Sie wurde 1964 entdeckt und kommt in modernen Sorten nur in Spuren vor.

• CBC: Auch als Cannabichromen bekannt, ist es eines der am häufigsten vorkommenden Cannabinoide in Cannabis.

WIE INTERAGIEREN CANNABINOIDE MIT DEM MENSCHLICHEN KÖRPER?

Cannabinoid-Rezeptoren befinden sich überall im menschlichen Körper und bilden zusammen das Endocannabinoid-System (ECS). Diese Rezeptoren sind an einer Vielzahl von physiologischen Prozessen beteiligt, einschließlich Appetit, Stimmung und Gedächtnis.

Es gibt zwei Hauptarten von Cannabinoid-Rezeptoren. Die erste, CB1 genannte Art, befindet sich im zentralen und peripheren Nervensystem. Die CB2-Rezeptoren befinden sich hauptsächlich im Immunsystem, in Lunge, Leber und Nieren. Neueste Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass sie auch im Gehirn ausgebildet werden.

Sehr interessant ist auch der sogenannte "Orphan-Rezeptor" GPR55. Die Forschung hat gezeigt, dass GPR55 auf Cannabinoide reagiert und daher vielleicht bald als CB3-Rezeptor eingestuft wird.

Andere Rezeptoren, wie der TRP-Kanal Vanilloid 1 (TRPV1), der die Schmerzempfindung moduliert, könnte auch als Cannabinoid-Rezeptor wirken. Zudem ist von Serotonin-Rezeptoren bekannt, dass sie von Cannabinoiden wie CBD beeinflusst werden.

Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs, da noch ein langer Weg vor uns liegt, bis wir die molekularen Ziele jedes Cannabinoids vollständig verstanden haben.

SIND CANNABINOIDE GUT FÜR DICH?

Die Frage, ob Cannabinoide "gut" für einen sind, steckt tief in den seit vielen Jahrzehnten geführten Streitereien über die Legalisierung und medizinische Verwendung. In der Mitte des letzten Jahrzehnts, als in Kanada und vielen US-amerikanischen Staaten eine Reform des Freizeitkonsums entstand, standen diese Fragen im Mittelpunkt aller Legalisierungsdiskussionen.

Gegenwärtig wird THC-enthaltendes Cannabis als Betäubungsmittel eingestuft. Verschrieben wird es zumeist nur, wenn alle anderen medikamentösen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. CBD dagegen wird weithin als Wellness-Produkt angepriesen, da es nämlich den Körper ins Gleichgewicht bringen, Spannungen lindern und die Stimmung verbessern soll. Viele Menschen konsumieren dieses Cannabinoid in Öl-Form.

Im Zuge einer voranschreitenden Cannabisreform wird zweifellos mehr über die gesundheitlichen Auswirkungen des Cannabinoidkonsums geforscht. Angesichts der Tatsache, dass in der Pflanze mehr als 100 solcher chemischer Verbindungen vorkommen, gibt es zweifellos noch viel zu lernen.

KOMMEN CANNABINOIDE IN ANDEREN PFLANZEN VOR?

Während die Cannabispflanze die beste Quelle für außerhalb des Körpers produzierte Cannabinoide bleibt, gibt es auch andere Pflanzen, die das menschliche Endocannabinoid-System aktivieren können.

Diese umfassen:

• Echinacea: Eine Gruppe blühender Kräuter aus der Familie der Gänseblümchen.
• Jambú: Bekannt als "Zahnschmerzpflanze", wird sie seit langem für ganzheitliche Zwecke verwendet.
• Helichrysum umbraculigerum: Die Strohblumen-Art findet sich in Afrika und man nimmt an, dass sie hohe Konzentrationen CBG enthält.
• Schokolade und schwarzer Pfeffer: Auch sie könnten Cannabinoide enthalten und es hat sich gezeigt, dass sie die Wirkung von Cannabinoiden verstärken.

Cannabinoide werden allmählich legal. In den letzten Jahren wurden Cannabispflanzen, die THC enthalten, in Ländern wie Kanada und vielen US-amerikanischen Bundesstaaten sowohl für medizinische Zwecke als auch für den Freizeitgenuss legitimiert. In Europa ist THC-enthaltendes Cannabis als Betäubungsmittel eingestuft und in Ländern wie Deutschland mit einer ärztlichen Verschreibung legal erhältlich.

Pflanzen die hauptsächlich CBD und kaum THC enthalten (auch Hanf genannt), werden langsam an den meisten Orten auf Bundesebene legalisiert und für den Lebensmittel-, Ergänzungsmittel- und Kosmetikmarkt reguliert.