Fahren unter Drogeneinfluss: Alkohol im Vergleich zu Cannabis


Fahren unter Drogeneinfluss: Alkohol im Vergleich zu Cannabis

Da der Konsum von Marihuana als Freizeitdroge und zu medizinischen Zwecken immer mehr Zuspruch findet und legale Abgabestellen die veraltete Drogenprohibition ersetzen, wird es immer einfacher, Cannabis und daraus hergestellte Produkte zu erhalten.

Im Zuge der Legalisierung von Cannabis müssen sich die Regierungen nun mit einem Punkt im Umgang mit dieser neuen, plötzlich legalen Droge auseinandersetzen, vor allem wenn sie von Menschen im Straßenverkehr konsumiert wird. Schlussendlich stellt sich die Frage, wie sehr Cannabis das Führen eines Fahrzeuges beeinträchtigt? Nun ja, die Antwort darauf könnte Dich überraschen.

Wir werfen einen Blick auf das Fahren unter dem Einfluss von Cannabis, wie es sich von Alkohol unterscheidet und beschäftigen uns mit der komplizierten Thematik, neue Gesetze rund um bekifftes Fahren zu erlassen.

Beginnen wir mit der offensichtlichen Frage, die einem sofort in den Kopf kommt; ist es schlimmer bekifft oder betrunken zu fahren?

Unter Forschern herrscht allgemeine Übereinstimmung darüber, dass das Fahren unter dem Einfluss von THC (der primäre psychoaktive Bestandteil von Cannabis, der Dich high macht) das Risiko in einen Unfall verwickelt zu sein verdoppelt.

Die Unterschiede zum Fahren unter Alkoholeinfluss sind immens; eine aktuelle Studie der US Unfallstatistik zeigt, dass das Fahren mit einer BAK (Blutalkoholkonzentration) von 0,8‰, also über der zulässigen Höchstgrenze für Fahranfänger und Personen unter 21, das Risiko eines fatalen Unfalls für 20-jährige Fahrer 20-mal so hoch ist. Bei Erwachsenen bis 34 Jahren verneunfacht sich das Risiko.[1]

Der Hauptautor der Studie und leitende Forscher am Pacific Institute for Research and Evaluation, Eduardo Romano sagte, dass, nachdem die Ergebnisse an demografische Werte (Alter, Geschlecht, und Hautfarbe) und das Auftreten von Alkohol angepasst wurden, Marihuana das Risiko eines Unfalls nicht erhöhe.

Nichtsdestotrotz ist er davon überzeugt, dass das Fahren unter dem Einfluss von Cannabis dennoch ein Risiko darstellt. Nur eben ein geringeres, als viele Menschen bisher annahmen.

Also, warum geht von bekifften Fahrern ein geringeres Risiko aus, als von betrunkenen Fahrern? Im Endeffekt liegt es an der einfachen Sache, dass Cannabis und Alkohol eine unterschiedliche Wirkung auf unseren Körper haben.

Studien haben gezeigt, dass Menschen unter dem Einfluss von Cannabis immer noch einfache Tests wie Addition und Subtraktion oder andere mathematische Fragestellungen und Gedächtnisaufgaben bewältigen konnten. Natürlich mit einer gesteigerten mentalen Anstrengung als im nüchternen Zustand. Betrunkene Menschen hingegen fielen bei den Aufgaben eher durch.

Die unterschiedliche Wirkung von Cannabis und Alkohol führt außerdem dazu, dass sich die Fahrweise von bekifften und betrunkenen Fahrern erheblich voneinander unterscheidet.

Betrunkene Fahrer sind dafür bekannt, dass sie schneller und rücksichtsloser fahren. Auf der anderen Seite neigen bekiffte Fahrer eher dazu, langsamer zu fahren (was in vielen Fällen genauso gefährlich sein kann wie schnelles Fahren).

Das bedeutet natürlich nicht, dass das Fahren unter dem Einfluss von Cannabis ungefährlich ist. Bekiffte Fahrer zeigten nicht nur eine bessere Leistung bei Matheproblemen und Gedächtnisleistungen, sondern hatten auf der anderen Seite Schwierigkeiten damit, mehrere Dinge gleichzeitig zu bewerkstelligen und auf unerwartete Umstände zu reagieren (beides sind wichtige Aspekte beim Fahren). Daher ist es immer das Beste, sich nach dem Konsum von Cannabis von der Straße fern zu halten.

DAS PROBLEM, DEN EINFLUSS VON CANNABIS AUF DEN FAHRER ZU BEWERTEN

DAS PROBLEM, DEN EINFLUSS VON CANNABIS AUF DEN FAHRER ZU BEWERTEN

Der sogenannte „Praxistest“ ist bei Polizisten eine gängige Methode, um betrunkene Fahrer zu entlarven (neben der Durchführung eines Alkoholtests). Dabei handelt es sich um einen Test, bei dem der Fahrer drei einfache Aufgaben bestehen muss; einem Stift mit den Augen folgen, der vor der Nase hin- und herbewegt wird; 9 Schritte gehen, auf einem Fuß umdrehen und zurückgehen und 30 Sekunden lang auf einem Bein stehen.

Der Test wurde bei 88% der betrunkenen Fahrer durchgeführt. Es hat sich jedoch gezeigt, dass der Test beim Konsum von Cannabis viel weniger oft angewandt wird. Eine Studie des Journal of Psychopharmacology aus dem Jahr 2012 verdeutlicht, dass der Test lediglich bei 33% der bekifften Fahrer Anwendung fand.[2]

Es gibt viele Studien über die negativen Auswirkungen von unterschiedlichen Blutalkoholkonzentrationen. Sowohl der Alkoholtest, als auch der „Praxistest“ gelten als zuverlässige Methoden, um betrunkene Fahrer am Steuer zu identifizieren.

Unglücklicherweise gilt das nicht für Cannabis. Fahrer, die unter dem Einfluss von Cannabis stehen, sind schwierig zu überführen und der Erlass von standardisierten Regeln, die festlegen, wie viel Gras zu viel Gras ist, noch schwieriger.

Der THC-Gehalt wird mithilfe von Blut- und Urintests nachgewiesen. Der Urintest weist nur Abbauprodukte von THC nach (Substanzen, die durch die Verstoffwechselung von Cannabis in unserem Körper entstehen), die noch Wochen nach dem letzten Konsum vorhanden sein können.

Ein Bluttest hingegen kann die aktuelle Konzentration von THC im Blut nachweisen. Bei unregelmäßigem Konsum können Konsumenten davon ausgehen, dass sie innerhalb von 24 Stunden nach dem letzten Konsum durch einen Bluttest positiv auf THC getestet werden. Bei regelmäßigen Konsumenten kann THC noch bis zu einer Woche nach dem letzten Mal durch einen Bluttest nachgewiesen werden.

In den meisten Staaten der USA mit legalem Cannabis gibt es Gesetze, die jede nachweisbare Konzentration der Stoffwechselprodukte von THC im Urin mit der tatsächlichen THC-Konzentration im Blut gleichstellen. Beides stellt ein kriminelles Vergehen dar. In insgesamt 9 Staaten der USA herrscht eine Null-Toleranz-Politik gegen das Fahren unter dem Einfluss von Cannabis.

Von den insgesamt 28 Staaten, in denen Cannabis mehr oder weniger legal ist, gibt es lediglich in 6 Staaten eine Obergrenze für die THC-Konzentration im Blut von Teilnehmern im Straßenverkehr. In Colorado und Washington zum Beispiel liegt diese Grenze bei fünf Nanogramm pro Milliliter Blut oder 5ppb (parts ber billion).

Diese Obergrenzen stoßen auf Kritik; europäische Studien führen an, sie seien viel zu hoch angesetzt und sollen stattdessen auf 1 Nanogramm pro Milliliter herabgesetzt werden.

Aber selbst wenn man sich auf eine angebrachte Grenze für THC im Blut einigen könnte, um die Straßen sicherer zu machen, gibt es immer noch ein Problem: Toleranz.

Bei Alkohol kann man davon ausgehen, dass ein 25-Jähriger, der auf dem Heimweg von seinem wöchentlichen Rausch ist, genauso beeinträchtigt ist, wie ein gestandener Alkoholiker. Es gibt Studien, die beweisen, dass Du ab einem bestimmten Wert Alkohol im Blut einfach zu betrunken bist, um zu fahren. Egal, wie viel Du Deiner Meinung nach verträgst.

Bei Cannabis ist das nicht so einfach; ein regelmäßiger Raucher mit einer anständigen Toleranz ist nach dem Rauchen einer Bong vielleicht noch fahrtüchtig, wohingegen ein Teenager bereits nach paar Zügen am ersten Joint nicht mehr in der Lage ist zu fahren.

Das ist darauf zurückzuführen, dass Cannabiskonsumenten sehr schnell eine Toleranz gegen THC aufbauen und sie der Konsum von Cannabis weniger auffällig beeinträchtigt. Außerdem muss beachtet werden, dass Cannabis bei jedem unterschiedlich wirkt. Während die eine Person davon schläfrig wird, fühlt sich ein anderer Konsument vital und voller Energie (viele Konsumenten behaupten, dass manche Sorten ihnen dabei helfen, sich auf bestimmte Aufgaben besser konzentrieren zu können).

CANNABIS UND STRASSENVERKEHR: EINE HEIKLE KOMBINATION

Alle Erkenntnisse zusammen machen hoffentlich deutlich, dass die Formulierung gerechter und sicherer Gesetze zur Überwachung von Cannabis im Straßenverkehr keine einfache Sache darstellt. Während Cannabis die Fahreigenschaften im Allgemeinen nicht so stark zu beeinträchtigen scheint, bleibt es weiterhin eine bewusstseinsverändernde Substanz und muss angemessen bewertet werden (genau wie Alkohol).

Bis jetzt bleibt nur noch die Frage offen, wie man das am Besten umsetzt. Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass im Rahmen der vermehrten Akzeptanz und Zugänglichkeit von Cannabis bald eine geeignete Lösung gefunden wir, um diese uralte Substanz auf angebrachte und sichere Weise wieder in unsere Gesellschaft zu integrieren.

Verweise

  1. ^ NCBI, Drugs and alcohol - their relative crash risk., abgerufen December-04-2018
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  2. ^ NCBI, A placebo-controlled study to assess Standardized Field Sobriety Tests performance during alcohol and cannabis intoxication in heavy cannabis users and accuracy of point of collection testing devices for detecting THC in oral fluid, abgerufen December-04-2018
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