Marihuana VIP: Lester Grinspoon


Marihuana VIP: Lester Grinspoon

Lester Grinspoon ist ein Associate Professor Emeritus der Psychiatrie an der Harvard Medical School. Gleichzeitig ist er auch ein renommierter Cannabisaktivist und hat offen seine Unterstützung für medizinisches Marihuana erklärt, während er mit Nachdruck gegen das Verbot eintritt.

Dr. Grinspoon ist ein hoch angesehener Akademiker, er ist ein Mitglied der American Association for the Advancement of Science und der American Psychiatric Association sowie ein Gründungsredakteur des American Psychiatric Association Annual Review und des Harvard Mental Health Letter.

Dr. Grinspoon begann in den 1960er Jahren mit der Erforschung von Cannabis. Er interessierte sich für die Substanz, nachdem sie bei der jüngeren Generation immer beliebter wurde und war überzeugt, dass es sich um eine gefährliche Substanz handelte.

"Damals hatte ich keinen Zweifel daran, dass es eine sehr schädliche Droge war, die leider von immer mehr törichten jungen Leuten verwendet wurde, die sich vor den Gefahren nicht warnen lassen wollten oder die Warnungen nicht glauben oder verstehen konnten", schrieb Grinspoon in Marijuana Reconsidered.

Marihuana VIP: Lester Grinspoon

Er begann im Jahr 1967 seine Erforschung von Cannabis mit dem Ziel, ein besseres Verständnis für die Gefahren der Droge zu entwickeln. Doch als er begann, die Literatur zu sichten und Cannabis zu erforschen, änderte er bald seine Einstellung zu Marihuana.

Er fand bald heraus, dass die meisten Ansichten über Cannabis auf falschen Informationen beruhten. In der Tat ging Dr. Grinspoon sogar so weit zu sagen, dass er er selbst einer "Gehirnwäsche" unterzogen worden sei, die ihn trotz seiner akademischen Ausbildung zum Wissenschaftler und Forscher glauben ließ, Cannabis sei gefährlich.

Zu der Zeit, als er mit seiner Forschung begann, lautete eine der großen Bedenken gegen Cannabis, es könne bei chronischen Nutzern Schizophrenie auslösen. Dr. Grinspoon spezialisierte sich auf Schizophrenie und hat seitdem bei zahlreichen Gelegenheiten geäußert, dass es nicht genügend empirische Belege dafür gibt, um diese Behauptungen für zutreffend zu halten.

"In der Tat können sie ebenso viel Literatur darüber finden, wie nützlich Cannabis für schizophrene Patienten ist, wie Literatur, in der argumentiert wird, dass es schädlich sei", sagte Dr. Grinspoon in einem Interview. Er konnte auch keinen Beleg für die angeblichen Gefahren von Cannabis finden, die durch Regierungsmaterial wie den berüchtigten Film Reefer Madness der 1930er Jahre suggeriert wurden.

Marihuana VIP: Lester Grinspoon

Nach 3 Jahren Forschung kam Dr. Grinspoon zu dem Schluss, dass Marihuana viel unschädlicher als Alkohol oder Tabak ist und kein möglicher Schaden, den es vielleicht verursachen könnte, die Verhaftung von Jugendlichen wegen seiner Nutzung rechtfertige.

"Das schädlichste daran war keine inhärente psychopharmakologische Eigenschaft der Droge, sondern wie wir als Gesellschaft die Leute behandeln, die diese Droge nutzen", sagte Dr. Grinspoon.

LESTER GRINSPOON BIBLIOGRAFIE

Seit Beginn seiner Cannabis-Erforschung in den 60er Jahren hat Dr. Grinspoon fortgesetzt verschiedene Publikationen über Cannabis und andere psychoaktive Substanzen geschrieben oder mit verfasst.

Das berühmteste Werk ist „Marijuana Reconsidered“, das er erstmals 1971 über die Harvard University Press veröffentlichte. Wie der Titel schon sagt, behandelt das Buch Dr. Grinspoons gewandelte Ansichten über Cannabis, die durch seine Forschung hervorgerufen wurden.

Weitere bekannte Titel von Dr. Grinspoon sind:

  • Psychedelic Drugs Reconsidered
  • Marijuana: The Forbidden Medicine
  • Psychedelic Reflections

Neben diesen Publikationen betreibt Dr. Grinspoon auch zwei Webseiten. Die erste, „Marijuana: the Forbidden Medicine“, bietet eine Vielzahl von anekdotischen Belegen (über 1.000 Berichte) über die medizinische Verwendung von Cannabis. Die zweite mit dem Titel "Uses of Marijuana" gibt Informationen über die vielen verschiedenen Möglichkeiten, wie Cannabis verwendet werden kann und ermöglicht es Interessierten, Essays über die fördernde, therapeutische, erforschende und expansive Verwendung von Cannabis einzureichen, anstatt sich speziell auf medizinische oder Freizeitnutzung der Droge zu konzentrieren.

LESTER GRINSPOON UND CANNABIS – EINE TIEFE BEZIEHUNG

Dr. Grinspoon ist Vater von vier Kindern. Bei seinem ältesten Sohn Danny wurde im Alter von gerade einmal 10 Jahren eine akute lymphatische Leukämie diagnostiziert. Danny unterzog sich einer regelmäßigen Chemotherapie, um seine Krankheit besiegen zu können, aber die Behandlung führte bei ihm zu extremer Übelkeit und zu Erbrechen.

Nach den meisten Behandlungsterminen rasten Dr. Grinspoon und seine Frau Betsy mit Danny nach Hause, wo sein Sohn sich mit einem Eimer an der Seite niederlegte und ständig würgen musste. Eines Tages hörten Dr. Grinspoon und seine Frau von einem jungen Mann in Houston, Texas, der eine ähnliche Reaktion auf die Chemotherapie erlebt hatte und Cannabis einsetzte, um seine Übelkeit und sein Erbrechen zu bekämpfen.

Die beiden waren offensichtlich versucht, ebenfalls mit Cannabis zu experimentieren, um zu sehen, ob es Danny irgendeine Erleichterung bieten würde. Allerdings war Dr. Grinspoon gegen die Idee - aufgrund des illegalen Status' der Droge und wegen der möglichen Folgen, die Kauf/Nutzung für ihn und seine Familie hätten haben können.

Trotzdem ging Betsy eines Tages das Risiko ein und beschaffte sich auf einem High-School-Parkplatz etwas Cannabis von den Freunden ihres Sohnes und nahm es zusammen mit Danny vor seiner nächsten Sitzung ein.

Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Nach nur ein paar Zügen schien Danny ungewöhnlich entspannt und glücklich zu sein und verspürte vor allem nicht die geringste Spur von Übelkeit. Tatsächlich wollte er auf dem Heimweg von der Behandlung anhalten, um sich ein Sandwich zu besorgen, weil er hungrig war.

Für das nächste Jahr oder so nutzte Danny regelmäßig Cannabis, um die nachteiligen Auswirkungen seiner Behandlung lindern zu können. "In dem Maße, wie es ihm besser ging, verbesserte sich auch unsere eigene Lebensqualität. Wir mussten ihn nicht mehr leiden sehen", sagte Dr. Grinspoon.

Trotz der positiven Effekte, die Cannabis auf seinen Sohn ausübte, hatte Dr. Grinspoon selbst noch nicht mit Marihuana experimentiert. Dies führte oft dazu, dass die Leute seine Legitimität in Frage stellten und seinen Status als Experte für dieses Thema anzweifelten, aber obwohl er ständig mit dieser Frage konfrontiert war, vermied Dr Grinspoon eigenes Experimentieren mit Cannabis - aus Angst, dies könnte seine Aufgabe behindern, die Droge und ihre Auswirkungen objektiv zu analysieren und darzustellen.

Doch nach der Veröffentlichung seines Buches im Jahr 1971 und durch einen Legislativausschuss wieder einmal aggressiv über seine persönlichen Erfahrungen mit der Droge befragt, entschied Dr. Grinspoon, dass die Zeit gekommen war. Bei der nächsten Party in Cambridge gesellten sich er und seine Frau zu ein paar Freunden, die einen Joint rauchten. Dr. Grinspoon war damals 44 Jahre alt.

Er erinnert sich an seine erste Erfahrung mit Weed, die nichts weniger als schlicht enttäuschend war. Als seine Kollegen langsam stoned wurden, kämpften er und seine Frau darum, sich anders zu fühlen als sonst. Erst bei ihrem dritten Versuch, Cannabis zu rauchen, schafften sie es endlich, das versprochene „High" zu verspüren, von dem alle geschwärmt hatten.

"Das erste, was ich nach dem Rauchen bemerkte, war die Musik. Es war Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band ... Es war für mich eine rhythmische Implosion; ein faszinierendes neues musikalisches Erlebnis", sagte Grinspoon über sein erstes "High".

"In meiner nächsten Erinnerung an diesen Abend stehen Betsy und ich mit einem anderen Paar in der Küche in einem Kreis, jeder von uns biss von einer Napoleontorte ab ... Der unvergesslichste Aspekt der Küchenerfahreung war der Geschmack der Torte. Keiner von uns hatte je in seinem ganzen Leben eine so exquisite Napoleon gehabt", sagte er.

LESTER GRINSPOON: CANNABIS ALS MEDIZIN UND VERSTÄRKER

Seit seinem ersten "High" nutzte Dr. Grinspoon Cannabis regelmäßig sowohl als Freizeitdroge, als Medizin und in gewissem Maße auch als "Verstärker".

Auf seiner Website Uses of Marijuana schreibt Dr. Grinspoon:

"Einige zehn Millionen Amerikaner rauchen Marihuana regelmäßig. Millionen weitere nutzen es gelegentlich. Aber warum genau? Ich weiß, dass manche Menschen Marihuana als Medizin nutzen, während andere es einfach nur einsetzen, um 'Party' zu machen. Aber zwischen diesen beiden Polen gibt es noch viele andere Verwendungen und Effekte, die am besten durch Worte wie 'verstärkend', 'therapeutisch', 'erforschend' und 'expansiv' und so weiter beschrieben werden können."

In der heutigen Diskussion über Cannabis konzentrieren wir uns zu oft auf die medizinische und Freizeit- (oder "Party-") Verwendungen dieser Substanz. Durch seine Forschung und Arbeit als Akademiker und Aktivist hat Dr. Grinspoon gezeigt, dass die Verwendung von Cannabis viel weiter reichen kann, als nur Schmerzen zu überdecken oder uns ein "High" zu bescheren und dass die Tatsache, dass das Weed uns einfach gute Gefühle bereitet, ein wichtiger Aspekt in der globalen Cannabisdiskussion sein sollte.