Kann CBD bei Opioid-Abhängigkeit helfen?


Kann CBD bei Opioid-Abhängigkeit helfen?

Chronische Schmerzen tragen erheblich zum menschlichen Leiden bei – ungefähr 20% der erwachsenen Bevölkerung leiden an diesem gesundheitlichen Problem. Zahlreiche Krankheiten führen zu chronischen Schmerzen, von Erkrankungen des Bewegungsapparates über das Reizdarmsyndrom bis hin zu Fibromyalgie. Obwohl die Ursache jeweils eine andere ist, sieht die Behandlung oft identisch aus: Schmerzmittel auf Opioid-Basis.

DIE OPIOID-KRISE

Kann cbd bei opioid-abhängigkeit helfen?

Opioide lindern Schmerzen wirksam, doch insbesondere in den USA verschreiben Ärzte sie notorisch in zu großem Umfang. Diese Chemikalien weisen wegen ihrer angenehmen und schmerzlindernden Wirkung ein sehr hohes Suchtpotenzial auf, was häufig zu Missbrauch führt. Laut dem National Institute on Drug Abuse missbrauchen 21–25% der Patienten, denen Opioide verschrieben werden, diese Mittel, wobei 8–12% in der Folge eine Opioid-Konsumstörung entwickeln.

Opioid-Sucht kann dazu führen, dass die Abhängigen zu illegalen Drogen greifen, wobei 4–6% der Konsumenten zu Heroin wechseln. Opioide sind von Natur aus gefährlich. Hohe Dosen wirken sich auf Atmung und Herzfrequenz aus. Eine Überdosierung führt allein in den USA zu mehr als 130 Todesfällen pro Tag. All diese Faktoren haben zur so genannten „Opioid-Krise“ geführt.

Die Abhängigkeit von Opioiden stellt eine chronische Krankheit dar, von der im Jahr 2017 rund 1,7 Millionen US-Bürger betroffen waren. Zu der konventionellen Behandlung gehören therapeutische Beratung und die Verschreibung anderer suchterzeugender Mittel.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten sind erforderlich, weshalb in diesem Zusammenhang auch CBD wegen seiner vielfältigen Effekte auf den Körper in den Fokus genommen wurde. Lass uns genauer untersuchen, wie Opioide wirken, und dann herausfinden, wie CBD bei Opioid-Abhängigkeit helfen könnte.

WAS SIND OPIOIDE UND WIE WIRKEN SIE?

Opioide bilden eine umfangreiche Klasse von Arzneimitteln zur Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen. Dabei ist Opioid-Konsum nichts Neues. Aus ägyptischen Papyrus-Aufzeichnungen geht hervor, dass Menschen sie seit tausenden von Jahren zur Schmerzlinderung einsetzen. Auch die Sumerer, Assyrer und Babylonier verwendeten Opium.

Schlafmohn (Papaver somniferum) ist eine natürliche Quelle von Opiaten wie Morphium und Codein. Bei Morphin handelt es sich um das primäre Alkaloid der Pflanze, das zehnmal wirksamer als Rohopium ist. Obwohl Morphium hochwirksam bei Schmerzen ist, kann es mit schweren Entzugserscheinungen und Abhängigkeit verbunden sein. Chemiker verwenden das Molekül als Vorstufe für die Laborsynthese synthetischer Opioide wie Fentanyl.

Der menschliche Körper produziert endogene Opioide – Endorphine und Enkephaline, die freigesetzt werden und an Opioid-Rezeptoren binden, wenn der Körper Schmerzsignale erkennt. Diese Rezeptorstellen sind im gesamten zentralen und peripheren Nervensystem auf opioid-sensitiven Neuronen verteilt. Externe Opioide wie Morphium und Fentanyl sind ebenfalls Opioid-Rezeptor-Agonisten, was bedeutet, dass sie an dieselben Stellen binden.

Opioid-Rezeptor-Agonisten lindern Schmerzen, indem sie das Nervensignal abschwächen. Diese Bindung führt auch zu Sedierung, Euphorie und Atemdepression. Opioide aktivieren das Belohnungssystem des Gehirns, das wiederum den Neurotransmitter Dopamin freisetzt, bei dem es sich um ein "Wohlfühl-Hormon" handelt.

Ein Anstieg des Dopamin-Spiegels führt zu damit verbundenen Glücksgefühlen. Da das Gehirn es schätzt, sich gut zu fühlen, zeichnet es den Stoff, der ihm diese Gefühle ermöglicht hat, in einer lang anhaltenden Erinnerung auf. Dieser Prozess ist als klassische Konditionierung bekannt, die das Verlangen nach mehr Medikamenten verewigt.

Der fortgesetzte Konsum von Opioiden und die Aktivierung des Belohnungssystems führen schließlich zu Hirnanomalien, die die Abhängigkeit festschreiben. Einige dieser Veränderungen kehren sich nach einer Entgiftung wieder um; andere können jedoch jahrelang anhalten.

Opioid-Sucht wird hauptsächlich mit anderen Opioiden behandelt. Um die Patienten zu stabilisieren und Entzugserscheinungen zu minimieren, verschreibt man Methadon – ein synthetisches Opioid. Dies wirkt, indem es an Opioid-Rezeptoren bindet. Doch auch diese Verbindung weist Suchtqualitäten auf und ist an einem Drittel der Todesfälle durch Überdosierung von Opiaten beteiligt.

Obwohl diese Medikamente in einigen Fällen wirken, führen sie also in anderen Fällen zu einer neuen Sucht. Und nun? Die Aufmerksamkeit richtet sich mittlerweile auf Cannabis als potenzielle Behandlung der Opioid-Sucht, wobei insbesondere das Cannabinoid CBD in den Blick geraten ist.

WAS GENAU IST CBD?

Was genau ist cbd?

Bevor wir uns mit der möglichen Rolle von CBD bei der Opioid-Abhängigkeit befassen, werden wir uns mit der Verbindung selbst vertraut machen. Das Molekül ist eines von über hundert Cannabinoiden, die von der Cannabispflanze produziert werden. CBD ist nicht psychotrop und wird derzeit mit entzündungshemmenden, antioxidativen, neuroprotektiven, anxiolytischen und krampflösenden Wirkungen in Verbindung gebracht.

CBD hat in Studien zahlreiche Wirkmechanismen gezeigt. Man nimmt an, dass es indirekt mit den CB1- und CB2-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems interagiert. Dieses durch interne Cannabinoide modulierte System spielt eine regulierende Rolle im Körper. Ebenso übt CBD einige seiner Wirkungen aus, indem es an Serotonin-, Vanilloid-, GPR55- und PPAR-Rezeptoren bindet.

KANN CBD HELFEN, OPIOID-ABHÄNGIGKEIT ZU BEHANDELN?

Was hat es nun damit auf sich, dass CBD als potenzielle Behandlung für Opioid-Abhängigkeit interessant ist? Nun, die Forschung ist noch vorläufig, aber die Ergebnisse legen nahe, dass CBD das Potenzial hat, das Verlangen nach Drogen zu beeinflussen. Untersuchungen, die in der Fachzeitschrift Substance Abuse veröffentlicht wurden, legen nahe, dass CBD mit verschiedenen Gehirnkreisläufen in Verbindung steht, die an Drogenabhängigkeit und Drogensuchverhalten beteiligt sind. Die Autoren des Berichts behaupten, dass dieser Wirkmehanismus CBD zu einem spannenden Kandidaten für die Behandlung von Substanzmissbrauchsstörungen macht.

Eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie, die im American Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde, untersuchte die Auswirkungen von CBD bei Personen mit einer Heroinkonsumstörung. Die Forscher äußern, dass es trotz des Ausmaßes der Opioid-Epidemie an nicht-opioid-basierten Medikamenten zur Behandlung fehlt.

Die Studie untersuchte die unmittelbaren, kurzfristigen und länger währenden Auswirkungen unterschiedlicher CBD-Dosen (400 oder 800mg). Die Forscher beobachteten das Verlangen der Teilnehmer, ihre Ängste, Kognition und körperlichen Status. Sie stellten fest, dass die unmittelbare Verabreichung von CBD das Verlangen und die Ängste signifikant verringerte. Das Cannabinoid reduzierte auch die physiologischen Werte der Herzfrequenz und des Cortisol-Spiegels. Schwerwiegende Nebenwirkungen konnten nicht festgestellt werden. Das Forscherteam gelangte zu dem Schluss, dass diese Ergebnisse eine gute Grundlage für weitere Studien bilden, in denen CBD als Behandlungsoption bei Opioid-Abhängigkeit näher untersucht wird.

CBD ALS ALTERNATIVES SCHMERZMITTEL?

Cbd als alternatives schmerzmittel?

Könnte CBD neben seinem Potenzial im Bereich der Opioid-Abhängigkeit auch als alternative Behandlungsoption bei chronischen Schmerzen dienen? In diesem Fall würde man möglicherweise verhindert können, dass manche Patienten überhaupt mit Opioiden in Kontakt kommen.

Eine im European Journal of Pain veröffentlichte Tierstudie mit Mäusen untersuchte die Wirkung von CBD auf Schmerzen und Entzündungen. Die Forscher fanden heraus, dass CBD in der Lage ist, das mit Arthritis verbundene Schmerzverhalten zu reduzieren.

In einer in der Fachzeitschrift Transplantation Proceedings veröffentlichten Humanstudie wurden die Auswirkungen von CBD auf chronische Schmerzen bei Patienten untersucht, die eine Nierentransplantation hinter sich hatten. Von den sieben Teilnehmern berichteten zwei von vollständig verschwundenen Schmerzen, während vier weitere von einer teilweisen Besserung berichteten.

KÖNNTE CBD BEI DER BEKÄMPFUNG DER OPIOID-KRISE EINE WICHTIGE ROLLE SPIELEN?

Die beginnende Forschung hinsichtlich der potenziellen Rolle von CBD bei Opioid-Abhängigkeit hat zu aufregenden Ergebnissen geführt. Das Cannabinoid scheint den Suchtkreislauf im Gehirn zu verändern und das Verlangen und die Ängste zu reduzieren. Darüber hinaus untersucht man das Molekül kontinuierlich als mögliche Alternative zu Opioid-Medikamenten.

Leider ist es mangels umfassender klinischer Studien unmöglich, eine solide Schlussfolgerung zu ziehen – aber es sieht ganz hoffnungsvoll aus. Man darf auf die Ergebnisse zukünftiger Studien gespannt sein!