Marihuana während der Schwangerschaft – eine gute Idee?


Marihuana während der Schwangerschaft – eine gute Idee?

Wir sind uns der Risiken der Verwendung von Tabak und Alkohol während der Schwangerschaft bewusst. Gibt es aber irgendwelche Risiken für die Verwendung von Cannabis während der Schwangerschaft? Leider sind die Forschungen in diesem Feld knapp und ziemlich begrenzt. Werfen wir trotzdem einen Blick auf die Forschungen über den Cannabiskonsum und seine Auswirkungen, einschließlich älterer Studien und neuerer Betrachtungen.

CANNABIS UND SCHWANGERSCHAFT: EINE KURZER LITERATURÜBERBLICK

Es gibt nur wenige wissenschaftliche Studien darüber, wie der Cannabiskonsum sich auf unseren Körper auswirkt. Es gibt noch weniger wissenschaftliche Studien darüber, wie der Marihuanakonsum während der Schwangerschaft sich auf die Entwicklung des Kindes auswirken kann (sowohl im Mutterleib als auch in der frühen Kindheit/Pubertät).

Die Autoren von "The Informed Parent", einem Buch, das darauf abzielt, wissenschaftliche Belege für alles von Stillen über Impfungen bis hin zu Marihuana zusammenzustellen, verwenden insgesamt 11 Studien, die die Auswirkungen des Cannabiskonsums während der Schwangerschaft untersuchen.

Die jüngsten Studien auf dieser Liste sind von 2014, während die älteste aus den frühen 90er Jahren stammt.[1] Die Studien erforschen sowohl sofortige Geburtsfehler, die mit Cannabiskonsum verbunden sind, als auch die Auswirkungen, die bei der späteren Kindesentwicklung auftreten können.

Es gibt ein paar jüngere Studien in diesem Feld, die es jedoch nicht auf die Liste geschafft haben.

Im Jahr 2016 veröffentlichte zum Beispiel ein Forscherteam um Dr. Shayna Conner, Assistenzprofessorin für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Washington University, eine systematische Überprüfung und Metaanalyse der unerwünschten, neonatalen Ergebnisse des mütterlichen Cannabiskonsums.[2]

Eine weitere Studie, die im selben Jahr im BMC of Pharmacology and Toxicology veröffentlicht wurde, untersuchte auch die Auswirkungen von Cannabis auf die embryologische Entwicklung.[3]

Der neueste Artikel über Schwangerschaft und Cannabiskonsum wurde im März 2017 im Journal of Addiction Medicine veröffentlicht und konzentriert sich auf die Entwicklung von Cannabiskonsum bei schwangeren Frauen in Bezug auf ihre Ansichten zur Legalisierung und mögliche Risikofaktoren.

CANNABIS UND SCHWANGERSCHAFT: WAS SAGT UNS DIE WISSENSCHAFT?

Cannabis und schwangerschaft: was sagt uns die wissenschaft?

Die wenigen Studien über die Auswirkungen von mütterlichem Cannabiskonsum haben sehr gemischte Ergebnisse hervorgebracht.

Eine Handvoll Studien sind sich einig, dass das Rauchen von Cannabis während der Schwangerschaft dem Fötus vielen Risiken aussetzt.

In “The Grass Isn’t Always Greener: The Effects of Cannabis on Embryological Development”, eine Studie aus dem Jahr 2016, die von einer Gruppe von Forschern am Georgetown University Medical Center veröffentlicht wurde, konnte zum Beispiel festgestellt werden, dass Cannabiskonsum während der Schwangerschaft Symptome wie Fehlgeburten, angeborene Missbildungen und Lernschwierigkeiten hervorrufen kann.

Die Studie behauptet auch, dass einige der Cannabinoide, die für die Hemmung des Zellwachstums bekannt sind (und deshalb auch für ihr Potential in der Krebsbehandlung gelobt werden), die Entwicklung des Embryos beeinträchtigen können, indem sie als Zellwachstumshemmer arbeiten, also die zelluläre Mobilität drosseln und gleichzeitig Apoptose (Tod der Zellen) verursachen können.

Die Autoren schrieben: “Durch die gleichen Mechanismen, durch die Cannabinoide auf dem Gebiet der Krebsbehandlung vielversprechend sind, sind sie gleichermaßen gefährlich für die Lebensfähigkeit und Gesundheit eines sich entwickelnden Embryos.”.

Darüber hinaus kam eine Literaturauswertung über das Thema Cannabis und Schwangerschaft aus dem Jahr 2014, die im Journal of Perinatology veröffentlicht wurde, zu ähnlichen Erkenntnissen.[4]

Die Autoren der Analyse haben festgestellt, dass die derzeitigen Belege darauf hindeuten, dass die Verwendung von Cannabis nachteilige Auswirkungen auf die Neuroentwicklung eines Kindes haben kann, und zwar sowohl während der Schwangerschaft als auch beim Stillen.

Forscher an der University of Pittsburgh Medical Centre and School of Medicine haben zudem festgestellt, dass die Verwendung von Cannabis während der Schwangerschaft die Auffassungsgabe des Kindes später im Leben beeinflussen kann.[5]

Die Forscher interviewten Frauen über die Menge und Häufigkeit ihres Marihuanakonsums im 4. und 7. Monat der Schwangerschaft, so wie bei der Geburt. Ihre Kinder wurden dann später mit dem Stanford-Binet-Test verbal untersucht.

Die Studie stellte fest, dass Kinder, die von Müttern geboren wurden, die während dem ersten Trimester ihrer Schwangerschaft einen oder mehr Joints pro Tag geraucht hatten, eine verminderte Fähigkeit hatten, Konzepte beim Hören und Lesen zu verstehen.

Experten sind sich auch einig, dass THC, der Hauptwirkstoff im Cannabis, die Plazenta leicht passieren kann. Da THC bis zu 30 Tage in einem erwachsenen Körper bleibt, kann es somit auch den Fötus potenziell erreichen.

Ältere Forschungen hatten auch festgestellt, dass nach dem Rauchen von Marihuana der Kohlenmonoxid-Gehalt im Blut fünf mal höher ist als nach dem Rauchen von Tabak. Hohe Mengen an Kohlenmonoxid im Blut können dafür sorgen, dass der Sauerstoffgehalt im Blut vermindert wird, was auch den Fötus beeinträchtigen könnte.

Allerdings behaupten andere Forschungen wiederum, dass der Konsum von Cannabis während der Schwangerschaft nicht so schlimm ist, wie einige der oben genannten Studien nahe legen.

DIE BEGRENZTHEIT AKTUELLER FORSCHUNG

Alle wissenschaftlichen Studien haben ihre Grenzen und bei einigen Beispielen, die wir oben besprochen haben, verhält es sich nicht anders.

Es gibt zwei Hauptmängel, die die begrenzten Studien über Schwangerschaft und Cannabiskonsum beeinträchtigen.

Erstens, verwenden viele Cannabisnutzer auch Tabak und wie wir wissen, kann Tabak schwere Auswirkungen auf die Gesundheit eines Fötus/Neugeborenen und die Entwicklung eines Kindes haben. Viele der bisherigen Studien über Cannabis erfassen nicht die Nutzung von anderen Drogen wie Tabak und Alkohol, was bedeutet, dass einige der Auswirkungen, die sie beobachtet haben, wahrscheinlich nicht allein durch die Cannabisnutzung aufgetreten sind.

Zweitens verlassen sich viele der Studien darauf, dass die Teilnehmer selbst sagen, wie oft und wie viel Cannabis sie konsumiert haben während sie schwanger waren, anstatt objektive Testmethoden zu verwenden. Dies ist eine große Einschränkung, denn andere Studien deuten darauf hin, dass die von den Teilnehmern bereitgestellten Informationen oft nicht korrekt sind.

Eine Analyse der vorhandenen Literatur aus dem Jahr 2016 von Dr. Shayna Conner und einem Forscherteam, versuchte diese Probleme zu berücksichtigen.[6]

Die Auswertung umfasste 31 Studien zwischen 1982 und 2015 und enthielt nur empirische Kohortenstudien und Fall-Kontroll-Studien, bei denen es dem Team gelang, die Daten von Marihuanakonsum und dem Konsum von anderen Substanzen, einschließlich Tabak, voneinander zu trennen.

Die Untersuchungen umfassten insgesamt 7.851 Frauen, die während der Schwangerschaft Marihuana konsumiert hatten und 124.867, die kein Marihuana während der Schwangerschaft konsumiert hatten. Der Marihuanakonsum wurde teils von den Müttern selbst berichtet und teils durch objektive Tests von Mekonium, Nabelschnur, Urin, Speichel und Blut festgestellt.

Bevor der Tabakkonsum entsprechend separiert wurde, stimmten die Studienergebnisse mit denen von früheren Forschungen überein: Frühgeburten und das Risiko, ein niedriges Geburtsgewicht zu haben, waren bei Müttern, die während ihrer Schwangerschaft Cannabis geraucht haben um 5% höher.

Allerdings veränderten sich diese Ergebnisse stark, sobald Forscher auch den Tabakkonsum mit einbezogen hatten. Die angepassten Ergebnisse zeigten, dass der Konsum von Marihuana nicht zu einem größeren Risiko für Frühgeburten oder einem niedrigen Geburtsgewicht führte.

Es ist wichtig zu wissen, dass diese Studie wieder mit einer extrem kleinen Stichprobengröße arbeiten musste, besonders nachdem die Daten angepasst wurden, um Tabak oder den Konsum anderer Substanzen zu berücksichtigen. Dies macht es äußerst schwierig, aus diesen Ergebnissen irgendwelche soliden Schlüsse zu ziehen.

SOLLTEN SCHWANGERE FRAUEN ALSO CANNABIS RAUCHEN?

Sollten schwangere frauen also cannabis rauchen?

Die Widersprüche in den Ergebnissen der Studien zu diesem Thema machen es schwer, eine eindeutiges Fazit über die Auswirkungen des mütterlichen Cannabiskonsums auf das Kind zu treffen.

Wir empfehlen Dir in jedem Fall kein Cannabis zu konsumieren, während Du schwanger bist, um das Risiko zu senken, dass Du Dir und Deinem Kind Schaden zufügen könntest. Du kannst das Thema aber auch mit Deinem Arzt besprechen und eine professionelle Meinung bekommen.

Das Einzige, was die Studien in der Tat beweisen, ist dass es einen großen Mangel an Forschungen in diesem Bereich gibt und dass die bestehende Forschung, die wir zur Zeit haben, einfach zu begrenzt sind.

Da immer mehr Orte auf der Welt anfangen, Cannabis zu legalisieren (sowohl für medizinische als auch für Freizeitzwecke) und unsere Gesellschaft dabei ist, ihre Meinung über Marihuana zu ändern, wir dieses Thema immer wichtiger. Es werden mehr Forschungen benötigt, die Nachweise liefern können, inwiefern Mütter und ihre Kinder vom Cannabiskonsum beeinflusst werden.

Hinweis: Wir haben die allergrößte Sorgfalt und Vorsicht walten lassen, während wir diese Artikel geschrieben haben. Beachte bitte gleichwohl die Tatsache, dass wir in keinster Weise Ärzte sind. CannaConnection ist grundsätzlich eine Nachrichten- und Informations-Webseite. Dieser Inhalt zielt nicht darauf ab, ein Ersatz für professionellen medizinischen Rat, eine Diagnose oder Behandlung zu sein.

Verweise

  1. ^ The Informed Parent Book, Marijuana, abgerufen November-26-2018
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  2. ^ NCBI, Maternal Marijuana Use and Adverse Neonatal Outcomes: A Systematic Review and Meta-analysis., abgerufen November-26-2018
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  3. ^ NCBI, The grass isn’t always greener: The effects of cannabis on embryological development, abgerufen November-26-2018
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  4. ^ Nature, Cannabis, the pregnant woman and her child: weeding out the myths, abgerufen November-26-2018
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  5. ^ Jaacap, Prenatal Marijuana Exposure and Intelligence Test Performance at Age 6, abgerufen November-26-2018
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  6. ^ NCBI, Maternal Marijuana Use and Adverse Neonatal Outcomes: A Systematic Review and Meta-analysis., abgerufen November-26-2018
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